einsame Insel

Moderatoren: Thilo, stilz

Antworten
Mona
Beiträge: 175
Registriert: 5. Apr 2006, 20:47
Wohnort: Neustadt

einsame Insel

Beitrag von Mona » 4. Okt 2006, 20:26

Hallo,

was würdet Ihr mitnehmen auf eine einsame Insel als Lektüre ? (Vorsicht:: im Rilke-Forum kann das ja nur eine Scheinfrage sein :wink: ) .

Mona :lol:
"Wie man sich lange über die Bewegung der Sonne getäuscht hat, so täuscht man sich immer noch über die Bewegung des Kommenden. Die Zukunft steht fest,... wir aber bewegen uns im unendlichen Raume."(RMR)

gliwi
Beiträge: 941
Registriert: 11. Nov 2002, 23:33
Wohnort: Ba-Wü

Beitrag von gliwi » 4. Okt 2006, 21:41

Und was, bitte, hat das mit "Dramatischen Dichtungen" zu tun? Dein Versuch, das inzwiwschen eingeschlafene Forum zu beleben, in allen Ehren, aber das Thema gehört unter "Sonstiges". Im übrigen: ich glaube kaum, dass ich Rilke-Gedichte mitnehmen würde, wenn die Bücheranzahl begrenzt ist. Ich würde mir lieber eine Anthologie, möglichst dick, mitnehmen, in der Gedichte aus verschiedenen Zeiten drin sind. Und die Romane von Thomas Mann, die ich noch nicht gelesen habe.
Gruß
gliwi
Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. KANT

Benutzeravatar
lilaloufan
Beiträge: 846
Registriert: 18. Apr 2006, 18:05
Wohnort: Otzberg (Südhessen)
Kontaktdaten:

Lektüre für die Verbannung

Beitrag von lilaloufan » 5. Okt 2006, 14:18

Hallo Mona,

die Frage lege ich mir seit langem zwei Mal im Jahr vor, Anfang Februar und Ende September. Manche Titel bleiben über viele Jahre auf meiner Favoritenliste: Die „Wochensprüche des anthroposophischen Seelenkalenders“ seit fast 30 Jahren, die „Geheimwissenschaft im Umriss“ und der Vortragsband „Geistige Wirkenskräfte im Zusammenleben von alter und junger Generation“ auch seit über 20 Jahren schon, und die „Duineser Elegien“ seit fast 20 Jahren, die „Mysteriendramen“ seit über zehn Jahren. Andere bleiben ein paar Jahre drauf und weichen dann anderen. Der „Grüne Heinrich“ stand zwanzig Jahre drauf, bis mir auffiel, dass ich das Buch zwar gründlich kenne und liebe, aber gar nicht mehr darin lese. Die ästhetischen Schriften von Schiller, "Die Philosophie der Freiheit", Rilkes „Stundenbuch“, Дмитрий Сергеевич Мережковскийs Leonardo-Roman und Stefan Zweigs Buch über Erasmus stehen immer mal wieder drauf (wie auch derzeit), dann machen sie anderem Platz und haben später ihr Comeback. So hat auch eine lange vergriffene Fischer-Taschenbuch-Anthologie „Deutschland erzählt“ gerade ihre Renaissance, so auch ein Lagerlöf-Band. Seit letztem Jahr steht erstmalig ein Hörbuch drauf, Wolfram Berger liest Musils „Mann ohne Eigenschaften“, bei Zweitausendeins als MP3-CD.

Würde ich heute auf die Insel verbannt und müsste mich auf drei Bücher beschränken, dann wären das
  • die „Wochensprüche des anthroposophischen Seelenkalenders“
    die „Geheimwissenschaft im Umriss“
    und der Schiller-Band, in dem „Über Anmut und Würde“ und die Briefe „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“ drinstehen.
Aber, ich glaube ich würde mir vorher noch einige Elegien auf einen Spickzettel schreiben und in eines der Bücher heimlich hineinlegen…:!:

Lieben Gruß, Christoph
»Wir tragen leidenschaftlich den Honig des Sichtbaren ein, um ihn im großen goldenen Bienenstock des Unsichtbaren anzuhäufen.«

stilz
Beiträge: 1150
Registriert: 26. Okt 2004, 10:25
Wohnort: Klosterneuburg

Beitrag von stilz » 10. Dez 2006, 14:26

Eigentlich schade, daß es nicht mehr Antworten zu dieser Frage gegeben hat!
Aber schließlich bin auch ich bisher "ausgewichen"...

Es ist überhaupt nicht leicht, wenn man sich vorstellt, sich auf drei Bücher beschränken zu müssen!!!

Aber ich versuche es:

Meine Bücher wären:

Erstens ein sehr, sehr dickes leeres Tagebuch... und jede Menge Stifte!

Dann die Partitur zu Brahms' op 8; ich besitze sie bisher nicht --- aber wenn ich dort keine Musik hören kann: dieses Klaviertrio möchte ich dann wenigstens lesen können.

Und als drittes??? Das wäre dann das einzige wirkliche "Buch"!
Ich bin ein bisserl unsicher. Ich glaube allerdings: die Bibel wäre es wohl.

Meine Bibel hat ein paar leere Seiten... da darf ich mir doch einige Rilke-Gedichte hineinschreiben, Goethes "Gesang der Geister", als Gedächtnisstütze noch einige Titel (vielleicht mit dem einen oder anderen "Stichwort" dazu), und einige smse und Teile aus Briefen, die mir viel bedeuten?

Lieben Gruß!

Ingrid
"Wenn wir Gott mehr lieben, als wir den Satan fürchten, ist Gott stärker in unseren Herzen. Fürchten wir aber den Satan mehr, als wir Gott lieben, dann ist der Satan stärker." (Erika Mitterer)

Benutzeravatar
lilaloufan
Beiträge: 846
Registriert: 18. Apr 2006, 18:05
Wohnort: Otzberg (Südhessen)
Kontaktdaten:

reif für die Insel

Beitrag von lilaloufan » 23. Feb 2007, 20:20

Hallo Mona,

ich habe mir deine Frage wieder einmal vorgelegt; bei mir wären es wieder zwei Bände der Steiner-Gesamtausgabe, die Geheimwissenschaft und der mir unentbehrliche Band 26, und drittens entweder wie im vorigen Jahr der Schiller-Band mit "Anmut und Würde" oder der "Faust". - Weshalb ich mich melde: Ich habe es wie stilz bedauert, dass nicht mehr Antworten kamen, und wollte nun Dich fragen - welche drei Bücher würdest Du denn im Gepäck haben?

Gruß, l.
»Wir tragen leidenschaftlich den Honig des Sichtbaren ein, um ihn im großen goldenen Bienenstock des Unsichtbaren anzuhäufen.«

Mona
Beiträge: 175
Registriert: 5. Apr 2006, 20:47
Wohnort: Neustadt

Beitrag von Mona » 24. Feb 2007, 10:36

Hallo,

danke für Deine Rückfrage ! Ich meine, ich würde mir die Frage auch zweimal im Jahr stellen und es würde sich sicher immer wieder etwas ändern. Meine momentanen Favoriten für die einsame Insel sind:

Hesses Glasperlenspiel
Rilkes Sonette an Orpheus
und die Bibel

Mona :lol:

ps.: mein Freund meint gerade, er würde Joyce Ulysses mitnehmen, dann käme er endlich mal zum lesen ... :lol:
"Wie man sich lange über die Bewegung der Sonne getäuscht hat, so täuscht man sich immer noch über die Bewegung des Kommenden. Die Zukunft steht fest,... wir aber bewegen uns im unendlichen Raume."(RMR)

.Sabine.
Beiträge: 114
Registriert: 7. Sep 2005, 22:32
Wohnort: Kaiserslautern

Beitrag von .Sabine. » 25. Feb 2007, 15:41

Hallo,

ich stoße erst jetzt auf diese Frage . Natürlich würde ich mein augenblickliches Lieblingsbuch mitnehmen:

Tolkien: Herr der Ringe !!!

Sabine :lol:
"Ich lerne sehen.... " (Rainer Maria Rilke)

Andrea
Beiträge: 54
Registriert: 25. Feb 2006, 14:33
Wohnort: Mainz
Kontaktdaten:

Sempf

Beitrag von Andrea » 26. Feb 2007, 19:57

Warum auch nicht, also (wenn auch ich noch nicht einsehe, warum unter 'dramatische Dichtungen'):

1. Le Comte de Monte-Cristo
2. Das Stunden-Buch
3. Die Aufzeichnungen des M.L.B.

Die Bibel wäre das vierte, aber es gelten ja nur drei, schwierig...und sonst kann ich auch niemanden fragen (warum auch?).

Aber ich finde Ingrids Idee schön, die teuersten Briefe oder Nachrichten in leere Seiten zu schreiben, oder vielleicht würde ich sogar die Briefe - samt Umschlägen - als Lesezeichen in den Büchern behalten (zählt das?). Auf das Tagebuch müsste ich schmerzvoll verzichten; vielleicht würde ich dann beginnen, als Ersatz für das fehlende Tagebuch in den Sand zu schreiben, den ganzen Strand voll, mit der Hand...aber danach war jetzt wirklich nicht gefragt!

Andrea
Kein Jenseitswarten und kein Schaun nach drüben,
nur Sehnsucht, auch den Tod nicht zu entweihn
und dienend sich am Irdischen zu üben,
um seinen Händen nicht mehr neu zu sein.

gliwi
Beiträge: 941
Registriert: 11. Nov 2002, 23:33
Wohnort: Ba-Wü

Beitrag von gliwi » 27. Feb 2007, 21:45

Hallo,
deswegen habe ich es jetzt verschoben.
Also "Herr der Ringe" ist eine glänzende Idee, das lese ich sowieso jedes Jahr einmal. Dazu dann eine dicke, fette Gedicht-Anthologie und den Dr. Faustus von Thomas Mann, den kenne ich nämlich noch nicht.
gruß
gliwi
Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. KANT

Benutzeravatar
Volker
Beiträge: 200
Registriert: 8. Mär 2003, 12:39
Wohnort: Freie Hansestadt Bremen

Beitrag von Volker » 14. Mär 2007, 00:56

Wie wäre es mit Telefonbüchern?
(Von wegen "Dramatische Dichtung": wenig Handlung, aber jede Menge Personen!)
:wink:
Ich hab' auch Verstand.©
gez. Volker

Mona
Beiträge: 175
Registriert: 5. Apr 2006, 20:47
Wohnort: Neustadt

Beitrag von Mona » 18. Mär 2007, 15:51

Hallo Volker,

es gibt sicher keinen Telefonanschluss auf dieser Insel und auch keine Handy Netzverbindung :wink: !

Mona :lol:
"Wie man sich lange über die Bewegung der Sonne getäuscht hat, so täuscht man sich immer noch über die Bewegung des Kommenden. Die Zukunft steht fest,... wir aber bewegen uns im unendlichen Raume."(RMR)

Benutzeravatar
lilaloufan
Beiträge: 846
Registriert: 18. Apr 2006, 18:05
Wohnort: Otzberg (Südhessen)
Kontaktdaten:

Re: einsame Insel

Beitrag von lilaloufan » 9. Feb 2009, 17:26

Nachdem ich gestern per PN gefragt wurde, ob ich denn die Rilke-Gedichte gar nicht im Regal habe, fiel mir die Frage nach den drei Büchern Notgepäck wieder ein. Nur drei Bücher? Dieses Jahr müsste ich schummeln; ich würde mir die paar Seiten «Über Anmut und Würde» aus einem der zerlesensten Schiller-Bände herausreißen und als Einlegesohlen in die Schuhe legen {Na ja, St. Helena, Ventotene, El Hierro, Guidecca und wie sie alle heißen, die historisch bekannten Deportationsinseln kennen kaum den durchgefrorenen Boden, die Bahía auch nicht, aber man weiß ja nie, wohin sie einen bringen :wink:.}, damit ich drei gedruckte Bücher durchkriege: die Bände 26, 13 und 14 der Rudolf-Steiner-Gesamtausgabe.
Aaaber ein 'viertes Buch' würde ich gewissermaßen „verleugnen“ und «Gerät» nennen, nämlich mein neues MacBook - und wie schön: Da hab’ ich etliches von RMR drauf :lol:.
:D
l.
»Wir tragen leidenschaftlich den Honig des Sichtbaren ein, um ihn im großen goldenen Bienenstock des Unsichtbaren anzuhäufen.«

Benutzeravatar
lilaloufan
Beiträge: 846
Registriert: 18. Apr 2006, 18:05
Wohnort: Otzberg (Südhessen)
Kontaktdaten:

Re: einsame Insel

Beitrag von lilaloufan » 26. Okt 2010, 17:58

Daran hat sich seitdem nix geändert – doch: Auf dem MacBuch habe ich inzwischen auch das hier erwähnte Hörbuch drauf: Wolfram Berger liest Musils „Mann ohne Eigenschaften“, bei Zweitausendeins als MP3-CD. Es kann kein reicheres Buch geben in der Literatur der Welt.

Christoph
»Wir tragen leidenschaftlich den Honig des Sichtbaren ein, um ihn im großen goldenen Bienenstock des Unsichtbaren anzuhäufen.«

sedna
Beiträge: 368
Registriert: 3. Mai 2010, 14:15
Wohnort: Preußisch Sibirien

Re: einsame Insel

Beitrag von sedna » 1. Jan 2011, 17:09

Rilke am 5. April 1903 an Franz Xaver Kappus:

"Von allen meinen Büchern sind mir nur wenige unentbehrlich, und zwei sind sogar immer unter meinen Dingen, wo ich auch bin. Sie sind auch hier um mich: die Bibel, und die Bücher des großen dänischen Dichters Jens Peter Jacobsen."

Ja vel - so mit Rilke gezählt wären zwei um mich das Buch der Bücher und die Bücher, die ich noch nicht kenne; das dritte eine monumentale Handschrift mit unverzichtbaren Texten (und vielleicht rudert ja mal einer vorbei, der mir Ulysses im Original ausleiht)

Und falls im raschen Fortschritt des digitalen Zeitalters wichtiges Spezialwissen abhanden gekommen sein sollte: Hier nochmal die Anleitung, wie das geht mit den analogen Büchern:

http://www.youtube.com/watch?v=brAlzKHYFnA

Ein Neujahrsgruß den mitlesenden Insulanern

sedna :lol:
die ein ausbrechendes Lied in die Unsichtbarkeit wirft!

Benutzeravatar
lilaloufan
Beiträge: 846
Registriert: 18. Apr 2006, 18:05
Wohnort: Otzberg (Südhessen)
Kontaktdaten:

Re: einsame Insel

Beitrag von lilaloufan » 31. Jan 2015, 20:23

Nun sind einige „halbe Jahre“ vergangen, und heute will ich endlich dieses alte Gespräch noch einmal aufgreifen. Bei mir ist der Band 26 von Steiners Gesamtausgabe beständig auf meiner Unverzichtbarkeitsliste geblieben, „Über Anmuth und Würde“ von Schiller auch. Die beiden werden wohl irgendwann noch neben meinem Sterbebett liegen. Das dritte Buch, da gab es mancherlei Entwicklung: In den letzten Jahren hat es immer auch mal erzählende Literatur gegeben, die ein Jahr irgendwie begleitet oder auch geprägt hat, und nicht nur das periodisch wiederkehrende Musilsche Meisterwerk. Joseph Roth war zum Beispiel für mich in 2014 eine unerwartete Entdeckung, und derzeit bin ich geradezu hingerissen vom Erzählstil eines ungarischen Autors: Sándor Márai (*1900, ✝1989). Aber auf der Verbannungsinsel würde ich wohl doch nicht überlebenswichtig Belletristik brauchen. Vielleicht wär's diesmal eines der Bücher über die Kathedrale von Chartres, vielleicht Peter Selgs Steiner-Biographie, vielleicht ein Geometrielehrbuch. Ich bin versucht, die Schergen bestechen zu wollen, dass es ein ganzer Karton voller Bücher sein darf; dann sind auch Rilkes Gedichte darin… :psst:

l.
»Wir tragen leidenschaftlich den Honig des Sichtbaren ein, um ihn im großen goldenen Bienenstock des Unsichtbaren anzuhäufen.«

Antworten