Doktorarbeit über Rilke-Vertonungen

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Jessica Riemer
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Doktorarbeit über Rilke-Vertonungen

Beitrag von Jessica Riemer » 19. Feb 2007, 10:54

Hallo,

ich promoviere zur Zeit über Todesthematik in Rilkes Frühwerk (vor allem Cornet, Stundenbuch, Buch der Bilder, Traumgekrönt) und möchte in meiner Arbeit die literarische und musikalische Rezeption dieser Werke darstellen. Meine Diss ist also interdisziplinär angelegt: Neben Interpretationen der Werke steht vor allem die Analyse von ausgewählten Vertonungen im Vordergrund. Parallel zu meiner Diss arbeite ich an einer aktuellen Bibliographie der Rilke-Vertonungen. Ich wäre euch sehr dankbar, wenn ihr mir Hinweise auf Vertonungen jeglicher Art geben könntet! Freue mich schon sehr auf eure Antworten!

Viele Grüße,

Jessica

Andrea
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Beitrag von Andrea » 19. Feb 2007, 12:05

Hallo Jessica und herzlich willkommen im Rilke-Forum,

an Vertonungen von Rilke-Gedichten gibt es einmal die von Anne Clark ("Just after Sunset", sehr empfehlenswert), und auch Samuel Barber soll einige Rosengedichte zu liedern vertont haben. Mehr fällt mir sofort nicht ein, vermutlich weiß jemand anderes aber mehr. Ach ja, es gibt da noch etwas von Prokofjew mit dem Titel: "der Tod des Dichters". Allerdings weiß ich nicht, ob es sich auf Rilkes Person, oder auf das gleichnamige Gedicht bezieht; letzterenfalls wäre es ja durchaus Vertonung eines Rilke-Gedichtes.

Interessantes Thema übrigens, vor allem wenn man sich fragt, inwiefern Musik und Tod als Thema zusammenpassen (oder gar: zusammengehören?).

Schöne Grüße von

Andrea
Kein Jenseitswarten und kein Schaun nach drüben,
nur Sehnsucht, auch den Tod nicht zu entweihn
und dienend sich am Irdischen zu üben,
um seinen Händen nicht mehr neu zu sein.

helle
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Beitrag von helle » 19. Feb 2007, 13:26

Interessantes Thema übrigens, vor allem wenn man sich fragt, inwiefern Musik und Tod als Thema zusammenpassen (oder gar: zusammengehören?).
Da fällt mir Heine ein: »...die Musik ist vielleicht das letzte Wort der Kunst, wie der Tod das letzte Wort des Lebens.«

Jessica Riemer
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Beitrag von Jessica Riemer » 19. Feb 2007, 13:55

Hallo Andrea und Helle,

vielen, vielen Dank für die Hinweise!
@Andrea: Die Rosengedichte in den Vertonungen von Barber werde ich mir mal ansehen; sie passen bestimmt gut in meine Arbeit, da die Rose bei Rilke ja auch ein Symbol für das Miteinander von Leben und Tod ist!
Die 14. Symphonie von Schostakowitsch mit der Vertonung "Der Tod des Dichters" habe ich mir bereits angesehen und auch schon analysiert. Nur die Frage, weshalb Schostakowitsch ausgerechtnet Rilke vertont und wie er zu dem Dichter im allgemeinen steht, habe ich noch nicht ausreichend beantwortet!
@Helle: Ja genau, eine wichtige Fragestellung meiner Arbeit wird sein, wie der Tod von den Komponisten zu unterschiedlichen Zeiten in Musik gesetzt wird. Vor allem beim Cornet ist dies interessant: Es gibt im Zeitraum von 1914 bis 1985 ca. 16 Cornet-Vertonungen, alle Gattungen sind dabei vertreten, von Liedern für Gesang und Klavier, Kantaten, Melodramen, Symphonischen Dichtungen bis hin zur Oper! Auffällig viele Cornet-Vertonungen sind übrigens während der Weltkriege beziehungsweise unmittelbar danach entstanden, da wird der Tod dann regelrecht überhöht und patriotisch verklärt (in der Musik wird dies meist durch fanfarenartige Klänge und rauschende Arpeggien in Dur dargestellt oder auch durch militärische Marschryhthmen). Nach 1945 kommt es den komponisten darauf an, den Tod des Cornets pazifistisch zu deuten, im Sinne des Erlösungsgedankens.
Ich bin mal sehr gespannt, wie die Todesthematik in den anderen Vertonungen, die ich mir noch anschauen muß, musikalisch umgesetzt wird!

stilz
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Beitrag von stilz » 19. Feb 2007, 14:32

Hallo Jessica, Andrea, helle...

ich freu mich sehr über dieses Thema!

Rilke-Vertonungen: spontan fällt mir Paul Hindemiths "Marienleben" ein.
Und Alban Bergs "Sieben frühe Lieder", da ist auch ein Rilke-Text dabei, "Traumgekrönt" (und ich glaube, ein anderes "Traumgekrönt" gibt's auch noch von Marx).

Ich beschäftige mich gerade mit den "Gesängen des späten Jahres" von Ernst Krenek, nach eigenen Texten.
Kennst Du die? Die letzten drei Gesänge heißen "Vor dem Tode", "Der Augenblick" (Klavier solo!) und "Der Genuß der Unendlichkeit"...

Hat natürlich nix mit Rilke zu tun... außer daß Krenek und Rilke einander begegnet sind und es natürlich auch noch "O Lacrimosa" gibt, von Rilke "zu einer künftigen Musik von Ernst Krenek" gedichtet (aber das kenne ich - noch - nur dem Namen nach).

Und jetzt muß ich in die Probe...

lieben Gruß!

Ingrid
"Wenn wir Gott mehr lieben, als wir den Satan fürchten, ist Gott stärker in unseren Herzen. Fürchten wir aber den Satan mehr, als wir Gott lieben, dann ist der Satan stärker." (Erika Mitterer)

Bo
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Beitrag von Bo » 19. Feb 2007, 15:44

Hallo,
vielleicht sind es zu abgelegene Dinge
- 3.Symphonie von Per Norgard mit einem Mariengedicht von Rilke
- Klenaus Cornet-Vertonung.
Das aber nur der Vollständigkeit halber.
Bo

helle
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Beitrag von helle » 19. Feb 2007, 18:50

Nur eine Fußnote: Die Trilogie "O Lacrimosa" ist auch aus Rilke eigener Sicht eine Besonderheit der Vertonungen. Aufschluß darüber gibt Kreneks Aufsatz »Zur Entstehungsgeschichte der Trilogie "O Lacrimosa"«, in: »RMR –Stimmen der Freunde«, hg. von G. Buchheit, Freiburg 1931, S. 155ff. Rilke schreibt am 5. Nov. 1925, es sei ihm bei dieser Trilogie merkwürdig ergangen: »sie entstand auf Musik zu ...«, erst dann habe er konkret an Ernst Krenek gedacht.

Grüße, h.

Jessica Riemer
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Beitrag von Jessica Riemer » 19. Feb 2007, 20:33

Hallo Bo,

kennst Du zufällig eine gute Aufnahme von Klenaus Cornet-Vertonung? Ich habe die Noten vorliegen; die Analyse ist auch längst fertig, aber eine Aufnahme könnte ich noch gut gebrauchen.

stilz
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Beitrag von stilz » 19. Feb 2007, 23:22

Ach ja... und natürlich gibt's auch noch den Cornet von Frank Marin...

Gute Nacht!

Ingrid

edit: Frank Martin, muß es natürlich heißen!
Zuletzt geändert von stilz am 21. Feb 2007, 12:49, insgesamt 1-mal geändert.
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Bo
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Beitrag von Bo » 20. Feb 2007, 08:54

Hallo Jessica,
leider kenne ich auch keine Klenau-Vertonung. Über den Autor gibt es bei Prieberg einige Infos. Der Nachlass ist von ein paar Jahren aus Wien in die Kgl. Bibliothek nach Kopenhagen(??) gewandert. Vielleicht ist dort eine Aufnahme vorhanden? Ich denke, dort lohnt sich eine Anfrage, ev. auch beim deutschen Rundfunkarchiv und an der Universität Halle. Dort hat man ja viele 'Konserven' gut recherchierbar. Ich kenne auch nur die Ausgabe der Universal Edition (Chor und Klavierauszug)
Vielleicht weiß man im Archiv der Wiener Philharmoniker (Uraufführung 15.November 1924?) mehr?
Viel Erfolg!
Bo
Den Artikel in der Opernwelt 13/1983 kennst Du vermutlich.
Ich denke, die dänische Forscherin Karin Bang beschäftigt sich schon einige Zeit mit dem Thema.

stilz
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Beitrag von stilz » 1. Mär 2007, 16:42

Liebe Jessica,

und ich bin heut zufällig über diese Seite gestolpert:
http://www.recmusic.org/lieder/r/rilke/

Dir und Deiner Arbeit viel Erfolg!

Ingrid
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Jessica Riemer
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Beitrag von Jessica Riemer » 2. Mär 2007, 16:10

Liebe Ingrid,

die Seite kannte ich schon vorher, aber trotzdem vielen, vielen Dank für die ganzen Tips.
Mit meiner Arbeit geht es durchaus voran: Momentan beschäftige ich mich mit der Rilke-Rezeption unmittelbar nach Rilkes Tod (1926 bis ca. 1932). In dieser Phase sind neben vielen literarischen Widmungen an Rilke auch viele Vertonungen entstanden, vor allem Vertonungen vom Stundenbuch.

Ach ja, kennt einer von euch zufällig eine Cornet-Vertonung von einem gewissen Hans Grimm? Ich weiß, daß es so eine Vertonung geben muß, bisher waren meine Recherchen jedoch erfolglos!

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Rilke-Vertonungen

Beitrag von prof.wowa » 7. Mär 2007, 19:43

zum 50. Geburtstag des Rilkeenkels Christoph Sieber-Rilke musizierte ich zusammen mit Monika Moldenhauer die beeindruckende Vertonung des "Cornet" durch Frank Martin. Zu seinem 60. entstand dann auf seinen Wunsch eine etwas "feuchtere" Neuvertonung des Marienlebens durch meine Wenigkeit, die in Baden-Baden bei den Feierlichkeiten uraufgeführt wurde. Anlässlich einer Aufführung im Moskauer Konservatorium spielten wir dort auch eine CD ein. Beide erwähnte Vertonungen dauern jeweils 60 Minuten.
Grüßle Wowa
Prof. Wolfgang Wagenhäuser

K. Nikula
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Re: Doktorarbeit über Rilke-Vertonungen

Beitrag von K. Nikula » 30. Apr 2007, 20:33

Hallo,

ich promoviere zur Zeit über Todesthematik in Rilkes Frühwerk (vor allem Cornet, Stundenbuch, Buch der Bilder, Traumgekrönt) und möchte in meiner Arbeit die literarische und musikalische Rezeption dieser Werke darstellen. Meine Diss ist also interdisziplinär angelegt: Neben Interpretationen der Werke steht vor allem die Analyse von ausgewählten Vertonungen im Vordergrund. Parallel zu meiner Diss arbeite ich an einer aktuellen Bibliographie der Rilke-Vertonungen. Ich wäre euch sehr dankbar, wenn ihr mir Hinweise auf Vertonungen jeglicher Art geben könntet! Freue mich schon sehr auf eure Antworten!

Viele Grüße,

Jessica

Hallo Jessica,
Ich habe eine Bibliographie angefertigt, die die finnischen Rilke-Vertonungen umfasst: Deutschsprachige Lyrik in der finnischen Musik. Eine Bibliographie der Vertonungen von den Anfängen bis zum Anfang des Jahres 2001. Erhältlich, siehe: http://lipas.uwasa.fi/hut/deutsch/saxa/
In meiner interdiziplinären Dissertation habe ich finnische Rilke-Vertonungen von Einojuhani Rautavaara, Paavo Heininen und Jouni Kaipainen analysiert. Meine Dissertation ist im Internet erhältlich: http://dissertations.jyu.fi/studhum/9513921093.pdf
Ich hoffe, dass meine Arbeiten Dir irgendwie behilflich sein könnten.
Mit freundlichen Grüßen aus Finnland
K. Nikula

Christoph Garbe
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Rautavaara, Bernstein

Beitrag von Christoph Garbe » 18. Dez 2007, 14:25

liebe Frau Riemer

wahrscheinlich sind Sie schon auf folgende Vertonungen gestoßen aber falls nicht :

Rautavaara hat 1993 "Die erste Elegie" [auf deutsch] vertont für Europa Cantat. Interessant ist, wie gut der Satz in den Fingern liegt, wenn man ihn am Klavier durchspielt, und trotzdem für einen guten Chor sängerisch eine dankbare Aufgabe darstellt. (Edition Fazer Helsinki) Rautavaara hat ein persönliches Vorwort dazu geschrieben und eine finnische Übersetzung des Textes angefertigt.

Leonard Bernstein hat 1949 eine spannende Vertonung zweier englischer Rilke Übersetzungen unter dem Titel "Two Love Songs" komponiert, erschienen N.Y. 1960 (Boosey and Hawkes?) für Klavier und Gesang.

Paul Hindemiths "Six Chansons" nach französischen Gedichten Rilkes ist inzwischen ein Klassiker der Chorliteratur und eine imressionistische Lösung für die Bildhaftigkeit dieser Texte - allerdings habe ich diese Rilke Gedichte nur dort gefunden .

Herzliche Grüße und gutes Gelingen Ihrer Arbeit!

Christoph Garbe

P.S. : Wir hatten schon kurzen Kontakt auf dem Postweg und ich würde mich freuen, Ihre Arbeit lesen zu dürfen wenn es soweit ist...

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